Nie wieder auf dem Schlauch stehen: Tubeless – Der Reifen ohne Schlauch

Der Schlauch gehört für viele einfach zum Fahrrad dazu, kann aber bei einem Platten für viel Frustration sorgen. Hier sollen Tubeless Reifen nun Abhilfe schaffen.
Nie wieder auf dem Schlauch stehen: Tubeless – Der Reifen ohne Schlauch
© dusanpetkovic1
Erstellt von Velonest vor 5 Monaten
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Wer kennt es nicht: Der Reifen ist platt und wie es passiert ist, hat man vielleicht gar nicht gemerkt. Selbst die kleinste Scherbe oder ein spitzer Stein können manchmal zum ungünstigsten Zeitpunkt für kurzzeitige Immobilität sorgen. Wenn dann nicht nur der Reifen, sondern auch noch der Schlauch betroffen ist, bedeutet das gleich doppelte Reparaturarbeit oder der Schlauch muss ganz ausgetauscht werden. Zudem hat nicht jeder für jede Fahrradpanne das richtige Werkzeug. Wenn diese zusätzliche Komponente einfach wegfallen würde, wäre doch so vieles einfacher – oder?

Funktionsweise

“Tubeless” bedeutet genau, wonach es klingt: Statt eines zusätzlichen Schlauchs wird nur auf dem Mantel des Reifens gefahren. Die Technologie hinter den Tubeless-Reifen ist kein Hexenwerk und wird bei Mountainbikes und Autos bereits seit Jahren angewandt. Bereits 1999 stellte Michelin den ersten schlauchlosen Reifen vor, der allerdings mit vielen Kinderkrankheiten wie ständigem Luftverlust zu kämpfen hatte, weshalb er sich auf dem Markt nicht durchsetzen konnte.

Seither hat sich viel getan in Sachen Reifensysteme. Eine genaue Abstimmung von Felge und Reifen stellt sicher, dass keine Luft entweichen kann und eine spezielle Dichtungsflüssigkeit, die bei den meisten Tubeless-Systemen enthalten ist, versiegelt zusätzlich die Kontaktstellen zur Felge sowie kleine Beschädigungen im Falle einer Reifenpunktierung.

Montage

Viele Hersteller versprechen eine schnelle und einfache Montage. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Felgen “tubeless ready” sein müssen, also über speziell verstärkte, luftdichte Seitenwände verfügen. Wenn man also mit dem Gedanken auf einen Umstieg spielt, sollte man dies bei dem Fahrradhändler des Vertrauens vorher in Erfahrung bringen.

Sollten die Voraussetzungen stimmen, kann man die schlauchlosen Reifen selbst anbringen. Für einen Umstieg gibt es spezielle Kits, bei denen alles Notwendige enthalten ist. Dennoch ist die Montage kraftaufwendig und nicht ganz einfach, gerade undichte Stellen können für Probleme sorgen. Wer beim Reifenwechsel noch ungeübt ist, sollte diese also lieber in kompetente Hände geben.

Vorteile

Bei Mountainbikes ist es schon lange Gang und Gäbe, schlauchlos unterwegs zu sein. Hier besteht besonders wegen des ruppigen Untergrunds hohe Pannengefahr und es muss ein guter Grip bestehen. Gewährleistet wird dies durch einen niedrigeren Reifendruck, der durch den Verzicht auf einen Schlauch möglich wird. Dies ist ohne Leistungseinbußen möglich. Auch Alltagsradlern könnte das gelegen kommen, die sich sowohl im Stadtverkehr als auch im Gelände mit mehr Haftreibung bei gleicher Geschwindigkeit und mehr Kontrolle, gerade auf prekärem Untergrund, sicherer fühlen können. Auch wird der Komfort beim Fahren durch einen geringeren Luftdruck erhöht.

Außerdem bieten die schlauchlosen Reifen eine größere Pannensicherheit, weil die Wahrscheinlichkeit eines Durchschlags verringert wird. Dieser kann auftreten, wenn zu geringer Luftdruck herrscht und der Reifen durch ein Hindernis so zusammengedrückt wird, dass der Schlauch davon Schaden nimmt. Zwar kann auch ein Reifen ohne Schlauch beschädigt werden, die Dichtungsflüssigkeit kann kleine Löcher aber schnell wieder verschließen.

Wird bei Rennrädern der Schlauch weggelassen, fällt unnötige Reibung zwischen Schlauch und Reifen weg, wodurch weniger Rollwiderstand besteht, was gerade bei Wettkämpfen von Vorteil ist.

Nachteile

Ein großer Nachteil ist der Kostenpunkt, da ein Komplettumstieg gerade im Unterschied zu einem neuen Schlauch teuer werden kann. Dieser ist einem weiteren Nachteil geschuldet, nämlich dass derzeit nur wenige Fahrradfelgen die nötigen Voraussetzungen erfüllen. Was bei Autos und Mountainbikes schon lange Standard ist, lässt bei Alltagsfahrrädern noch auf sich warten. Hier ist eine engmaschigere Zusammenarbeit zwischen Reifen- und Felgenherstellern nötig.

Sind die Tubeless Reifen erst mal montiert, ist ein häufiges Nachfüllen der Dichtungsflüssigkeit nötig. Dies ist zum einen ein Kostenpunkt, zum anderen auch eine Frage des sicheren Radfahrens, die, wenn man dies nicht im Blick hat, das Pannenrisiko wieder erhöht, das durch das Wegfallen des Schlauches reduziert wurde.

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